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Auszüge des Beitrags zur Murnauer Chronik 2000 Im Original zusammengestellt von Dr. Maximilian Kellner, FSG Murnau Der ungekürzte Beitrag ist beim Vereinsvorstand erhältlich
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Ein Gründungsdatum lässt sich für die kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Murnau nicht festlegen. Der Verein ist aus den politischen Gegebenheiten heraus gewachsen.
Die Schützen des “gefreyten Marktes Murnau” richteten 1758 eine Bittschrift an die Obrigkeit, statt der geforderten 15 Florentiner Gulden nur 5 fl. zahlen zu müssen, was ihnen befristet auch gewährt wurde. Dieses Dokument weist die kgl. priv. Feuerschützengesellschaft als den ältesten urkundlich erwähnten Verein Murnaus aus.
Das Datum ist rein zufällig, denn ältere Schriftstücke sind mit Sicherheit bei den großen Marktbränden zerstört worden; wahrscheinlich muss man noch 150-200 Jahre zulegen, um auf das Gründungsjahr zu kommen.
Mit der Wandlung der Zielsetzung des Vereins von der gemeinsamen Waffenübung zum reinen Sportverein stieg auch die Mitgliederzahl von 38 im Jahre 1797 auf 150 zu Beginn des Jahres 2000. Eine Besonderheit des Murnauer Schützenvereins ist die traditionelle Mitgliedschaft über Generationen hinweg. So sind alte Murnauer Bürgerfamilien bereits in der 5. Generation Vereinsmitglied.
Über Jahrhunderte hinweg wurde der Verein vom Engagement seiner Schützen getragen, aber die Mitgliedschaft war immer auch für Personen des öffentlichen Lebens attraktiv, wie z.B. Herzog Max Emanuel von Bayern, die Grafen Alfred und Alban von Quadt-Wükradt, Erbgraf Otto von Quadt-Isny, Prinz Philipp von Thurn und Taxis Hohenberg, mehrere Murnauer Bürgermeister, Pfarrer Adam Pessenbacher oder Prof. Dr. Max Dingler und viele andere.
Die Mitgliedschaft für den Murnauer Adel wie z.B. die von Poschinger, von Treuberg oder von Seubert war genauso selbstverständlich wie die Mitgliedschaft nahezu aller Murnauer Bürger, Kaufleute, Handwerker und Bauern.
Mit dem Wegfall der öffentlichen Aufgaben durch die neue Schützenordnung von 1868 entfiel auch der “Schützenvorteil” d.h. die Gestellung der Schießanlage am Schützenplatz von der aus in Richtung Eichholz geschossen wurde, der Unterhalt des Schützenstadels sowie die Zuschüsse zu Büchsen, Pulver und Blei.
Am 18. Januar 1870 wurde beschlossen, eine Neugestaltung der Schützengesellschaft vorzunehmen. Damit wurden Bezirkstierarzt SIGL und Baron von PFETTEN betraut, zugleich die Führung der Gesellschaft übernehmend.
Der Schützenplatz war durch die zunehmende Bebauung in seiner Umgebung für die weitere Ausübung des Schießsports nicht mehr geeignet. Daher erwarb die FSG Murnau auf Seehauser Flur ein Grundstück am Staffelsee, baute darauf ein neues Schützenhaus und weihte dieses 1877 mit einem großen Festschießen ein. Zum Schießen war das Grundstück aber zu klein. Der Grundstücksnachbar wollte nicht verkaufen, ließ sich aber dann doch überreden, zwei Enklaven zur Errichtung eines Scheiben- und eines Sau-Stands abzugeben. Heute steht das Murnauer Schützenhaus nach der Grenzbereinigung mit der Gemeinde Seehausen endgültig auf Murnauer Flur.
Bei der großen Begeisterung der Murnauer für den Schießsport und dem nicht vorherzusehenden Ansturm auswärtiger Schützenkameraden zu den zahlreichen Fest-, Gedächtnis- und Wettkampfschießen wurde das Schützenhaus schnell zu klein. Der Anbau einer Schießhalle 1890, die Erweiterung um eine Schützenstube 1898 und die Vermehrung der Schießstände 1905 trugen den Erfordernissen Rechnung.
Die bereits fertig geplante Verlegung der gesamten Schießsportanlage 1921 ins Murnauer Moos, neben dem Ähndl, kam nicht zur Durchführung. Im letzten Kriegsjahr wurde die FSG Murnau gezwungen, ihr Schützenhaus als Notunterkunft zu vermieten. Die Mieter ließen das Schützenhaus und seinen Umgriff restlos verkommen. Mit großem Engagement der Schützenkameraden wurde ab 1950 das Schützenhaus wieder hergerichtet und seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. 1959/60 erfolgte dann ein großzügiger Umbau.
Die nächsten Jahre brachten laufend kleine Umbauten und Verbesserungen, aber die der Renovierung 1960 zu Grunde liegende Bausubstanz des Gebäude-Hauptteils aus dem Jahre 1877 war mittlerweile so marode, dass nur noch ein Teilabbruch mit anschließendem Neubau die Situation retten konnte. In einem -von der Planung bis zur Fertigstellung- fast 10 Jahre dauerndem Kraftakt leisteten die Vereinsmitglieder nahezu 9000 Arbeitsstunden, unterstützt von ortsansässigen Handwerkern, Firmen, Gönnern und Spendern. Mit der Einweihung am 24. Oktober 1998 besitzt die FSG Murnau nun kein Schützenhaus mehr, sondern ein allen modernen Anforderungen entsprechendes Sportzentrum.
Schützengesellschaften schießen nicht nur - sie sind und waren über Jahrhunderte hinweg Träger von Tradition und Brauchtum. So hat die kgl. priv. Feuerschützen-Gesellschaft Murnau es auch immer als ihren Auftrag gesehen, bei Jubiläen, Festen, Feiern, Umzügen und Begräbnissen zu repräsentieren.
Eine Besonderheit des Murnauer Schützenheims ist die große Sammlung künstlerisch anspruchsvoll gestalteter und gut erhaltener Schützenscheiben. Aus ihnen sprechen rund 200 Jahre Murnauer Geschichte. Die älteste Schützenscheibe datiert von 1810.
Ein Glücksfall für den Verein war Karl SPITZWEG, der anlässlich einer Sommerfrische in Benediktbeuern oft nach Murnau kam. 1854 malte er den Murnauer Schützen eine Vereinsfahne auf einen Hopfensack. Sie hängt heute, wohl restauriert, als Leihgabe beim Bayerischen Sportschützenbund in Hochbrück.
All diese Kostbarkeiten verdankt die kgl. priv. Feuerschützen-Gesellschaft Murnau ihrem damaligen 1. Schützenmeister Jakob LETTENBICHLER, welcher 1945 noch kurz vor der Beschlagnahme des Schützenhauses rettete, was zu retten war. Er räumte das Schützenhaus völlig aus und verteilte den Bestand incl. aller erhaltenen Schriftstücke, Urkunden und Pokale auf Privathäuser, befreundete Familien und geheime Verstecke. Damit entzog er den unersetzlichen Bestand dem Zugriff durch Beschlagnahme, Plünderer und Diebe. Wie er dies schaffen konnte ist bei der Fülle des Materials heute noch ein Rätsel. Wahrscheinlich würde er sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass bei einem Einbruch im März 1988 11 Scheiben aus dem Zeitraum 1800 - 1900 gestohlen wurden und unwiederbringlich verloren sind.
Jakob LETTENBICHLER war es auch, der die Schützengesellschaft nach dem Umbruch 1945 auch ohne aktiven Schießbetrieb als Verein weiterführte, indem er alle Grundabgaben zahlte, sowie weiterhin Miete kassierte und verbuchte.
Im Kassabuch des Vereins sind die letzten Buchungen während des Krieges mit Datum vom 12. April 1945 eingetragen und die ersten unter amerikanischer Besatzung bereits wieder am 26. Mai 1945! Hätte er dies nicht getan, wäre die Schützengesellschaft, wie viele andere, erloschen und das Prädikat “königlich privilegiert” auch nach einer späteren Wiedergründung nach der geltenden Rechtsprechung verloren gewesen. Die FSG Murnau wurde die folgenden Jahre als Verein weitergeführt und hat 1949, drei Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, den Schießsport - allerdings damals nur mit Luftdruckwaffen - wieder aufgenommen.
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